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Trends und Vorbilder

Montag, 15.3.10

Ein Artikel im Spreeblick hat wunderbar parodiert was ich in meinem Umfeld seit geraumer Zeit beobachte. Da geht es um Trends die für mich ziemlich albern sind. Zu diesen Trends gehören Klassiker wie “dünn dünn dünn sein”, EMOs oder eben dieser Berliner Lotterstil.

Zum Lotterstil: Ein Bekannter, der diesem Stil folgt, postete neulich in Facebook den Status „Ich bin so wie ich bin“. Am liebsten hätte ich kommentiert „Wer aufhört zu werden, hat schon verloren und wird bequem fett“ – frei nach Philip Rosenthal.

Aus einer scheinbaren Trend-Elite sickert irgendein Unfug bis ins letzte Gerade-noch-Kinderzimmer von Hinterposenmuckel rein und muss unbedingt, koste es was es wolle, konsequent gelebt werden.
Am Beispiel der „EMO-Bewegung“ oder diesem Lotterstil wird mir die Wiedersinnigkeit deutlich: dieses verkrampft anders-sein-wollen wird im Verlauf dann doch nur zu einem ich-bin-Teil-einer-großen-Masse. Am Ende wirkt er/sie doch wie der andere neben ihr/ihm. Natürlich mit leichten Modifikationen, aber im Grunde (zumindest optisch) identisch. Bevor der geneigte Leser gleich los schimpft; ich weiß, es geht im Grunde bestimmt nicht ums Aussehen.

Dabei möchte ich der potenziellen Jugend, so denn sie noch jugendlich ist, das Bedürfnis nach Abgrenzung nicht absprechen, schließlich hat gibt es dieses Verhalten in der westlichen Welt bestimmt schon seit  über 50 Jahren. Aber der Wert und der Sinn solcher Maßnahmen geht mir nicht so recht in die Birne.
Es ist alles andere als der so oft formulierte Anspruch an das Anders-Sein. Sie sind nicht anders und nicht individuell wenn der eine das Abziehbild des Anderen ist.
Individuell zu sein bedeutet eine Meinung und einen Standpunkt zu haben, ihn auch zu verteidigen (dabei natürlich objektiv genug zu sein Schwächen und das hinterfragen des Standpunktes zuzulassen). Es bedeutet, dass man Ideale hat die, wenn sie andere nicht teilen, nicht automatisch über Bord geworfen werden, wie die Sonnenbrille die von Jaqueline mit einem “Igitt” kommentiert wird.
Wer eine Idee, eine Sichtweise, eine Meinung hat die von der der Masse abweicht und trotz Gegenwind zu ihr steht, sich interessiert, der ist stark, der ist individuell.
Das erfordert Opfer, die gerade als Jugendlicher schwer sind:  Bedürfnis nach Bestätigung, Individualismus, Einfluss, Achtung, Zugehörigkeit zu einer Gruppe; all das möchte unter einen Hut gebracht werden. Unschwer zu erkennen, dass es dort Zielkonflikte gibt. Das Resultat dieses Messertanzes ist dann ein Jugendlicher EMO, der an seiner Schule (früher mal) Exot war und seine Leute nach der Schule irgendwo am HBF in Köln trifft.
In der Schule Abgrenzung und in der Clique das dazugehörig fühlen.

Meine Bewunderung haben all jene, die den Mut haben reell anders zu sein. Leute die den Mechanismus von Trends durchschauen, ignorieren und ihre eigenen, von der Masse unabhängigen (hoffentlich sinnvolle), Ideen haben und ihnen nachgehen.

Wie Siddhartha, eine Romanfigur von Hermann Hesse, sagte: “Folge niemand, sei du selbst.”
Hesse blieb sich und seinem Weltbild immer treu, selbst als die Masse in Deutschland blind hinter irgendwelchen Führern hinterher taumelte. Auch danach machte er sich mit seiner Haltung nicht immer Freunde. Damit ist er für mich ein Vorbild.


2 Kommentare zu „Trends und Vorbilder“

  1. Nicht übel geschrieben.

    Warum soviele Menschen unbedingt einer Gruppe angehören wollen ist aber relativ einfach zu beantworten: man muss nicht selber denken. Das übernimmt jemand/etwas anderes dann. Das macht es für den gemeinen Lemming einfach. Einfach mitlaufen.

    Warum auch nicht. Stell dir mal vor alle Menschen würden intellektuell auf gleichem Niveau ticken. Das kannst du nicht wirklich wollen…

    Ich für meinen Teil sehe mit geglätteten Haaren genauso lächerlich aus wie die meisten anderen Jungs/Männer auch. Für körperbetonte Kleidung bin ich nun wirklich zu dick und wenn ich bunte Klamotten nunmal nicht mag, dann werde ich sie auch nicht tragen. Meine Meinung ist solange unverrückbar bis mich jemand mit guten Argumenten vom Gegenteil überzeugt. Oder so. Ich lege es nicht darauf an von jedem gemocht zu werden und kann ganz gut damit leben das es eben auch so ist.

    Soll heissen: für die einen bin ich ein Arschloch, für andere eben nicht. Aber ich kann nachvollziehen warum Menschen lieber zu Gruppen gehören. Sie leben in der Regel einfach entspannter. Gegen den Strom schwimmen ist anstrengend. Für alle Beteiligten. Aber manche Dinge kann man nunmal nicht einfach abschalten.

    Und das finde ich gut.

    Christian schrieb am 15.3.10
  2. Danke.
    Genau das vermute ich eben auch: Bequemlichkeit. Berieseln lassen und die Beine hochlegen. Anstrengungslos zum Superstar. “Hey, das hab ich mir verdient!”. Fragt sich nur womit…

    tombeta schrieb am 15.3.10

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